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10.12.2004

FDP-Kreisverband Köln

Hoyer zum Gedenken an Friedrich Jacobs

Dr. Friedrich Jacobs
Dr. Friedrich Jacobs
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Dr. Friedrich Jacobs
Ansprache von Staatsminister a.D. Dr. Werner Hoyer, MdB, Köln,
stellv. Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion,

anlässlich des Trauergottesdienstes für
Dr. Friedrich Jacobs, Bürgermeister der Stadt Köln a.D.,

am 11. Dezember 2004
in der Pfarrkirche St. Maria Königin, Köln-Marienburg



Sehr verehrte Frau Dr. Jacobs,
sehr geehrte Angehörige,
meine Damen und Herren,

Friedrich Jacobs ist nicht mehr unter uns. Ein großes Herz hat aufgehört zu schlagen. Ein langes Leben ist zu Ende gegangen – und was für ein Leben!

Geboren wurde Friedrich Jacobs vor dem Ersten Weltkrieg in Essen – übrigens ein „Geburtsfehler“, wie er immer betonte, denn, so pflegte er dann nachzuschieben, „zu Hause bin ich in Köln“.

Er hat den Ersten Weltkrieg als Kind noch bewusst wahrgenommen und erst recht das, was sich daran anschloss: die Besetzung des Ruhrgebietes, die kurze Blütezeit der zwanziger Jahre, und dann schon wieder – fast noch als Jugendlicher – den Niedergang der Weimarer Republik, die Weltwirtschaftskrise, die nationalsozialistische Machtergreifung, den Holocaust, den Krieg.

In den musste er dann, das Studium hatte er da bereits hinter sich, auch noch selbst ziehen, wurde verwundet und erlebte das Kriegsende und auch noch seinen 35. Geburtstag in amerikanischer Gefangenschaft.

Für mich und meine Generation, die wir Zeit unseres Lebens im Frieden und in Freiheit leben durften, ist es kaum vorstellbar, welche Leiden, Qualen und Opfer, welche Stürme, Veränderungen und Verluste die Generation unseres Verstorbenen in den Jahren der Jugend und des jungen Erwachsenendaseins erlebt hat. Für uns Jüngere – gerade, aber nicht nur, in der Politik – muss das Vermächtnis und Verpflichtung sein.

Ähnlich hat das Friedrich Jacobs wohl auch gesehen. Denn anders als viele seiner Kriegskameraden und als viele andere Überlebende des Krieges konnte er für die „Ohne-mich-Haltung“, die Verweigerung der Mitwirkung am nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch am politischen Wiederaufbau Deutschlands kein Verständnis aufbringen. Er wollte anpacken, sich konstruktiv und gestaltend einbringen.

Bürgerliches Engagement war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Zum Beispiel im Sport, dem er sich Zeit seines Lebens verbunden fühlte – und den er übrigens auch bis ins hohe Alter selbst trieb. Schon 1951 wurde er Vorsitzender bzw. Präsident des KHTC Blau-Weiß und er blieb es für mehr als dreißig Jahre.

Aber da war ebenso das Engagement in der Kultur und im Beruf, seinem geliebten Anwaltsberuf, vor allem im Beruf – oder sagen wir schon fast besser – in seiner Berufung als Strafverteidiger. Friedrich Jacobs war – wie berichtet wird, und wie er auch gerne selber berichtet hat – nicht nur auf den Gerichtsfluren, sondern auch auf den Fluren und in den Zellen des Klingelpütz bekannt, geschätzt und geliebt.

Auch der kleine Ganove hat in unserem Rechtsstaat Anspruch darauf, dass ihm Gerechtigkeit widerfährt und dass sich jemand darum kümmert. Der Anwalt Friedrich Jacobs hat sich immer gekümmert, und er ist seinem Beruf immer treu geblieben, hat sich dadurch auch als Politiker Unabhängigkeit geschaffen und bewahrt. „Auch in meiner Zeit als Bürgermeister hatte ich fast jeden Morgen die Robe an“, erzählte er stolz.

Freiheit zu sichern und immer wieder neu zu erobern, Verantwortung zu übernehmen, dem Recht und dem, der es sucht, zu dienen – bei diesem Dreiklang von Freiheit, Verantwortung und Recht lag es nahe, dass sich Friedrich Jacobs 1949 der FDP anschloss und schon kurz danach den Vorsitz des Kreisverbandes übernahm.

Auch das muss eine spannende Zeit gewesen sein; denn gerade die nordrhein-westfälische FDP brauchte Anfang der 50er Jahre einen schmerzhaften Orientierungsprozess, um ihr liberales Profil zu entwickeln. Es gab Ortsverbände in dieser Zeit, über die die Materialien im Archiv des politischen Liberalismus in Gummersbach im Zusammenhang mit Saalschlachten berichten.

Es war daher ein Glücksfall, dass damals ein Mann des Rechts den Kölner Kreisverband führte und von 1952 bis 1961 im Rat vertrat, seit 1956 als Fraktionsvorsitzender. Ein Mann des Rechts, aber auch des Ausgleichs, der Versöhnung, der Konsens- oder wenigstens Kompromissfindung über Parteiflügel, aber auch über Fraktionsgrenzen hinweg. Ein Mann, der mit seinen wachen Augen, seinem verschmitzten Lächeln, seiner Überzeugungskraft und seinem Charme jeden Widerstand brechen konnte.

Das war für die FDP gerade hier in Köln in den siebziger und achtziger Jahren noch einmal von größter Bedeutung; denn zweimal wurden bundespolitische Weichenstellungen unserer Partei hier in Köln vorbereitet – und das alles andere als schmerzfrei. Es ging um nicht mehr und nicht weniger als erst um den Beginn und dann um die Beendigung der sozialliberalen Koalition in Bonn.

Der Herr Stadtdirektor hat aus Sicht der Stadt schon manche Spur erwähnt, die Friedrich Jacobs in dieser Zeit in Köln hinterlassen hat – vielleicht ist der Erhalt des Praetoriums die wichtigste.

Aber Politik besteht eben auch aus Niederlagen. Es muss Friedrich Jacobs geschmerzt haben, dass der Plan, das Kölner Opernhaus auf seinem alten Platz, dem Rudolfplatz, wieder aufzubauen, scheiterte. Und darüber, dass dann am neuen Ort die Nord-Süd-Fahrt ohne die von ihm favorisierte Tiefgarage gebaut wurde, hat er sich, wie er mir einst erzählte, mächtig geärgert.

Nicht Ärger, sondern Bewahrung seiner Unabhängigkeit war der Grund für sein Ausscheiden aus dem Rat 1961. Aber 1969 brauchte die FDP Friedrich Jacobs wieder, um in den Rat zurückzukehren.

Es gelang - ebenso wie 1974 und zwar damals mit einer starken Kampagne, heute würde man sagen, einer „One issue“-Kampagne. Die FDP des Friedrich Jacobs feuerte nämlich aus allen Rohren gegen eine bestimmte Planung für den Neubau des Stadions in Müngersdorf. Es wurde dann völlig anders gebaut; heute wissen wir, was daraus geworden ist.

Und noch etwas ganz Bemerkenswertes geschah 1969: Da sich die beiden großen Parteien im Rat nicht einigen konnten, wer aus ihren Reihen der Erste Stellvertreter des Oberbürgermeisters Theo Burauen werden sollte, kam es – sehr kurzfristig – zu einer großen Überraschung: Erster Bürgermeister wurde Friedrich Jacobs. Er hat dieses Amt geliebt und gelebt. Und wie er es ausfüllte – zunächst unter Theo Burauen, später unter John van Nes Ziegler -, hat ihm große Achtung und Zuneigung der Kölnerinnen und Kölner eingebracht.

Viele in dieser Trauergemeinde wissen um den großen Kölner Kommunalpolitiker Friedrich Jacobs. Aber die meisten wissen nichts über den Rechtspolitiker und Bundespolitiker. Denn Friedrich Jacobs hat nicht nur wiederholt hier im Kölner Süden für den Deutschen Bundestag kandidiert. Er hat nicht nur viele Jahre lang den Fachausschuss Innen- und Rechtspolitik der FDP NRW geleitet – und der war bedeutend, als die FDP über ihre Regierungsbeteiligung in Düsseldorf und später über liberale Innen- und Justizminister in Bonn entscheidend mitgestaltete, was sich später im Bundesgesetzblatt wiederfand.

Nein, Friedrich Jacobs hat auch 25 Jahre lang der G10-Kommission des Deutschen Bundestages angehört, also dem Gremium, dem die Bundesregierung alle Fälle von Ausnahmen von der strikten Wahrung des Post- und Fernmeldegeheimnisses vorzulegen hat. Dass das nie groß bekannt geworden ist, spricht für sich – und für ihn.

Denn natürlich ist dies eine absolute Vertrauensposition, die Diskretion und Fähigkeit zu sorgfältigster Abwägung von Grundrechten verlangt. Es müssen viele Tausende Akten gewesen, die Friedrich Jacobs in diesem Zusammenhang zu begutachten hatte – bei sehr vielen davon waren schwierigste Abwägungen erforderlich. Friedrich Jacobs hat sie, wie nicht anders zu erwarten war, perfekt wahrgenommen, und er ist alle vier Jahre - auf Vorschlag erst von Gerhart Rudolf Baum, später von mir - von der FDP-Bundestagsfraktion wieder gebeten worden, diese quantitativ und qualitativ enorm große Aufgabe zu schultern. Der Deutsche Bundestag ist ihm hierfür größten Dank schuldig.

Wir trauern mit Ihnen, sehr verehrte Frau Dr. Jacobs, um einen warmherzigen, liebevollen, gütigen Menschen. Wir trauern um eine Vertrauensperson, viele in der FDP um eine Vaterfigur. Die Kölner FDP hat Friedrich Jacobs viel zu verdanken, die Kölner FDP hat ihn geliebt. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Wir verneigen uns in Dankbarkeit vor einem großen Vorbild, einem überzeugenden Liberalen, einem aufrechten Mann der Freiheit, der Verantwortung und des Rechts – und vor allem vor einem wunderbaren Menschen.

Möge er nun in Frieden ruhen.

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