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09.09.2002

FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln

Sicherheitszaun im RheinEnergieStadion

Schreiben an den Hans Florin, Abteilungsleiter DFB-Ausschuss für Sicherheitsangelegenheiten, zu Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen und zum Sicherheitszaun im RheinEnergieStadion Köln


Sehr geehrter Herr Florin,

die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln hat in der vergangenen Woche die sehr emotionale Diskussion über die Sicherheitsbestimmungen, namentlich die Anhebung des Sicherheitszaunes bei Ligaspielen, im derzeit im Umbau befindlichen Kölner RheinEnergieStadion mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Auch wir sind von zahlreichen Fans des 1. FC Köln per Mail angeschrieben worden, die gegen die Entscheidung des DFB protestieren, die das Hochfahren des Sicherheitszaunes unter Berufung auf die oben genannten Richtlinien vorschreiben. Wir können Ihre Entscheidung zwar rein rechtlich nachvollziehen, sie ist aber unseres Erachtens auf eine sehr enge Auslegung der Bestimmungen zurückzuführen.

Unabhängig davon möchten wir zunächst den Fans beipflichten, die den heruntergefahrenen Zaun während des ersten Heimspiels vor der neuen Südtribüne am 16. August 2002 gegen den MSV Duisburg nicht nur als angenehm, sondern auch als zuträglich für die hervorragende Atmosphäre während des Spiels empfunden haben. Insofern kann man durchaus zustimmen, wenn die FC-Fangemeinde von einem gelungenen Experiment spricht. Nach meiner eigenen persönlichen Wahrnehmung als ebenfalls anwesender Zuschauer während dieses Spiels bestand trotz des turbulenten Spielverlaufs zu keiner Zeit Grund zur Besorgnis, dass die Fans das Spielfeld betreten könnten. Die Kölner Fans haben damit ein beeindruckendes Beispiel dafür abgeliefert, wie Fußballbegeisterung ohne jegliche negative Begleiterscheinungen aussieht. Dieses vorbildliche Verhalten hat unseres Erachtens eine Chance verdient.

Nun zu der Auslegung der Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen, die Sie, namentlich in Gestalt des § 7 Ziffer 1, als Grundlage für Ihre Entscheidung anführen: Im zweiten Absatz dieser Bestimmung wird deutlich, dass hier zwischen Steh- und Sitzplatzbereichen unterschieden wird. Während für Stehplatzbereiche die 2,20m hohe Einzäunung obligatorisch ist, so können Ausnahmen vor Sitzplatzbereichen zugelassen werden, wenn „mit dem vom Verein nachzuweisenden vorherigen Einverständnis des Stadioneigentümers und der örtlichen Sicherheitsorgane ... die Innenraumsicherung vor Sitzplatzbereichen auch durch andere geeignete Maßnahmen gewährleistet werden (kann)“. Eine geeignete Maßnahme könnte unserer Meinung nach etwa ein verstärkter Ordnungsdienst in den unteren Reihen der Südtribüne sein.

Für die Südtribüne des RheinEnergieStadions bedeutet das konkret, dass § 7 Ziffer 1 der Richtlinien prinzipiell nicht auf deren komplette Länge angewendet werden kann, da, wie Ihnen sicher bekannt sein dürfte, die Blöcke S5 und S6 während der Umbauarbeiten nicht durch Steh-, sondern durch Sitzplätze belegt werden, da die behördlichen Auflagen und das Versammlungsstättengesetz keine größere Anzahl von Stehplätzen zulässt, solange der Anschluss an die Westtribüne nicht hergestellt ist.

Da diese Tatsache die Südtribüne also nicht zu einem kompletten Stehplatzbereich macht, ist bei großzügiger Auslegung auch § 7 Ziffer 1 der Richtlinien nicht uneingeschränkt gültig, sondern ist vielmehr hier das Einfallstor für ihre gelockerte Anwendung gegeben.

Es freut uns in diesem Zusammenhang sehr, sehr geehrter Herr Florin, dass Sie offenbar Ihre Bereitschaft signalisiert haben, zusammen mit Vereinen und Fans zu erörtern, „welcher Hintergrund für die bestehenden Regelungen verantwortlich sei und welche Voraussetzungen erforderlich wären, die gängige Umzäunung des Stehplatzbereiches zu lockern“ (so der Leserbrief des Herrn Kai Uhlemann in der Ausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers vom 05.09.2002). Wir möchten Sie deshalb bitten, dass Sie Ihre Entscheidung bezüglich des RheinEnergieStadions – zumindest für die Zeit des Umbaus – noch einmal wohlwollend unter Berücksichtigung der vorgenannten Aspekte prüfen.

Dafür wären nicht nur wir, sondern ganz sicher auch alle anderen Tausenden Fans des 1. FC Köln ausgesprochen dankbar.

In diesem Sinne verbleibe ich in der Hoffnung auf eine positive Rückantwort

mit freundlichen Grüßen


Dietmar Repgen – stellvertretender Fraktionsvorsitzender


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