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16.12.2015

FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln

Breite: Mitternachtssport weit mehr als Präventionsmodell gegen Jugendkriminalität

Ulrich Breite, MdR
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Ulrich Breite, MdR
Laudatio zur Übergabe des Friedrich-Jacobs-Preises 2015 an die Sportjugend Köln für das Angebot Mitternachtssport

Lieber Herr Vorsitzender der Sportjugend Köln, Peter Pfeifer, sehr geehrte Mitglieder des Vorstandes der Sportjugend Köln, Erica Weber, Andreas Thiel und Hans-Helmut Schaefer, lieber Herr Dieter Sanden, Leiter des Sportamtes, sowie Herr Kröll, Testamentsvollstrecker von Friedrich Jacobs,
verehrte Gäste der FDP-Fraktion.

Der diesjährige Friedrich-Jacobs-Preis geht an die Sportjugend Köln. Damit will die FDP-Fraktion das Jugendangebot „Mitternachtssport“ auszeichnen, dessen Realisierung in Köln die Sportjugend Köln so erfolgreich verantwortet.

Ich freue mich, dass wir neben dem Vorsitzenden der Sportjugend Köln, Peter Pfeifer, und seinem Vorstand, auch den Leiter des Sportamtes, Dieter Sanden hier begrüßen dürfen. Der Kölner Mitternachtssport findet nämlich in Kooperation mit dem Sportamt statt und Dieter Sanden war seit jeher ein Unterstützer dieses Angebotes.

Nüchtern betrachtet handelt es sich beim Mitternachtssport um ein Sportangebot, welches von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 27 Jahren genutzt wird, um ihnen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, gerade an Wochenenden, anzubieten und um gleichzeitig eine sehr niederschwellige Jugendsozialarbeit durchzuführen. Die Angebote finden meist freitags in der Zeit von 22.00 Uhr bis 24.00 Uhr statt – das erklärt auch den Namen „Mitternachtssport“.

Die Angebote beinhalten verschiedene Sportarten wie Fußball, Basketball, Boxen und Tanzen. Wobei schon die Beschreibung „Tanzen“ doch ein wenig in die Irre führt. Weder wird dort Foxtrott wie in einer Tanzschule gelehrt, sondern vielmehr den neuesten Videomusikclips von YouTube nachgeeifert und das kann schon mal deftiger ausfallen, noch sichten wir dort brave Mädchen, die von noch braveren Jungens zum Tanz aufgefordert werden, - Jungs werden dafür eigentlich gar nicht gebraucht - sondern es geht um Auspowern mit Musik, sich selbst darzustellen und sich einfach gut zu fühlen.

Darin unterscheidet sich der Kölner Mitternachtssport übrigens von anderen Städten wie Hamburg, Frankfurt oder Berlin, wo der Schwerpunkt des Mitternachtssportangebotes auf Fußball liegt. Eine Kölner Errungenschaft sind auch die Mitternachtssportangebote für Mädchen und junge Frauen, die es so in anderen Städten nicht gibt.

Warum aller Anfang des Mitternachtssports, so auch in Köln vor genau 20 Jahren, im Fußball und auf Jungs bzw. jungen Männern liegt, hat mit der Grundidee zu tun, gerade diese in sozialen Brennpunkten von der Straße zu holen, damit sie, ich drücke es mal salopp aus, keine Dummheiten machen. Fußball bot sich dafür geradezu an, da diese Sportart unabhängig der Herkunft- und Religionszugehörigkeit schlichtweg die Nr. 1 der Männerwelt ist bzw. die Männerwelt von 4 bis 100 meint, beim Fußball mitzureden und auch noch spielen zu können.

Nun, wie ich selbst bei einem Angebot in Ossendorf erleben durfte, hat aber das Angebot „Fußball“ mit dem uns gängigen Vorstellungen von „Fußball“ soweit zu tun, dass es ein Ball, zwei Tore und zwei gegnerische Teams gibt, wobei die Betonung auf „gegnerisch“ liegt, sowie mindestens zwei geschulte Mitarbeiter, die die roten Karten ersetzen. Alles andere erinnerte mich eher an verschärftes Rugby.

Die Sportjugend Köln drückt das auf ihrer Homepage feinfühliger aus: „Durch Selbstregulierung innerhalb der Sportgruppe und die Beachtung vereinfachter Regeln der jeweiligen Sportart wird allen Beteiligten deutlich, wie wichtig es ist, sich an Absprachen zu halten, fair miteinander umzugehen…"

Wie dem auch sei, zum Schluss des Spiels waren die Mitarbeiter, aber auch und darum ging es, die Spieler im wahrsten Sinne des Wortes erschöpft. Das war gut so. Wie mir die Polizei selbst berichtete, ist sie über den Mitternachtssport in sozialen Brennpunkten hoch erfreut, haben sie doch an diesen Abenden weniger zu tun, da ihre Klienten – kein Witz, sondern pure Realität, beschäftigt und mit sich befriedet seien.

Der Kölner Express bringt es in einer Überschrift zu einem Bericht über das Mitternachtssportangebot Fußball in Nippes im Jahr 2012 jedenfalls auf dem Punkt: „Lieber kicken als kloppen.“ Die örtliche Polizei konnte dort, laut Express, durch den Mitternachtssport einen Rückgang der Kriminalitätsquote von 30% vermelden. Auch wenn mir das doch ein wenig zu dick aufgetragen ist, als Präventionsmaßnahme ist der Mitternachtssport, nicht nur in Köln sondern auch in anderen Städten, ein Riesenerfolg. Allein dafür hat die Sportjugend Köln und das Angebot Mitternachtssport den Friedrich-Jacobs-Preis mehr als verdient.

Aber, ganz im Sinne des Namengebers des Preises, des langjährigen Kölner Bürgermeisters und FDP-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Jacobs, erfolgt die Ehrung auch als ein Ausrufungszeichen. 2008 wurde in Kölner Rat ein umfangreiches Maßnahmenpaket zum Abbau von Jugendkriminalität und Delinquenz verabschiedet. Die FDP durfte sich dabei einbringen und hat den Mitternachtssport auf die Agenda des Maßnahmenpakets gebracht.

67.500,- Euro plus einen Verwaltungskostenanteil von 11.700,- Euro war der städtischen Politik damals dieses so erfolgreiche Projekt wert. Und 2015 mit der Ausweitung auf 18(!) Projekte in alle neun Stadtbezirken ist es der Politik immer noch nur dieselbe Summe wert. Ich denke, nein ich fordere ein und hoffe im Sinne aller Anwesenden hier zu sprechen: hier hat die Politik eine Bringschuld, die Finanzierung auf solide Basis zu stellen, insbesondere wenn ich mir ansehe, was wir sonst so an Geldern in der sogenannten etablierten Jugendhilfe ausgeben.

Im Übrigen, die etablierten Jugendhilfeträger waren, ich möchte es milde ausdrücken, erstaunt, als die FDP 2009 und dann wieder 2014 ihr Vorschlagsrecht dafür wahrnahm und der Sportjugend Köln im Jugendhilfeausschuss zu Sitz und Stimme verhalf. Ich frage Sie, wenn nicht die Sportjugend Köln, die so nah und effektiv an der Jugend mit ihren Sportangeboten ist und gerade jetzt Flüchtlingskinder und –jugendliche innovativ mit dem Sport integrativ einbindet, wer gehört denn sonst in dieses Gremium zum Wohle der Kinder und Jugendlichen als die Institution Sportjugend? Eins weiß ich, Friedrich Jacobs, der Namensgeber des Preises und langjähriger Vorsitzender eines Sportvereins, der sich der Kinder- und Jugendarbeit verschrieben hat, nämlich des Tennis- und Hockeyclubs Blau-Weiß, würde sagen: Sitz und Stimme für die Sportjugend Köln - gut gemacht!

Das Kölner Modell des Mitternachtssports ist aber weit mehr als ein Präventionsmodell gegen Jugendkriminalität, es besitzt vielmehr auch integrativen Charakter. Der Kölner Mitternachtssport bringt junge Menschen, egal welcher Herkunft oder aus welchem Elternhaus durch und mit dem Sport zusammen. Ich möchte hier insbesondere das Angebot Basketball hervorheben, welches fast auch schon von Anfang an in Köln angeboten wird und einen ganz anderen Kreis von Jugendlichen anspricht.

Als in Porz ein neues Mitternachtsportangebot mit Basketball aufmachte, war ich beim Besuch überrascht, was für eine bunte Mischung von jungen Menschen dieses Angebot nutzte und sich dadurch kennenlernte. Da die Stadt bekanntlich sparen muss und trotz Sportbetrieb in den Sporthallen auf dem Schulgelände das Licht ausschaltet, konnte ich den Weg zur Sporthalle, wo das Mitternachtssportangebot stattfindet, nicht finden. Ein junger Aserbaidschaner half mir, den Weg zu finden. Er nutzte das erste Mal das Angebot, war aber besser informiert, wo es langgeht. Auf die Frage von mir, warum er am Freitagabend um 22.00 Uhr nichts Besseres zu tun habe, als zum Sport zu gehen, antwortete er mir: Gleichgesinnte zu treffen. Ich bin mal so frei und behaupte, in der bunten Mischung der Spieler war kein weiterer Aserbaidschaner.

Aber so ist Sport, auch das macht Mitternachtssport in Köln aus, man trifft Gleichgesinnte und die Herkunft ist – endlich mal – so etwas von egal. So wird er sich freuen, dieser Friedrich Jacobs, der als Rechtsanwalt vormittags Prostituierte, auch schon mal umsonst, verteidigte und nachmittags als Bürgermeister Gäste unserer Stadt empfing, dass seine FDP-Fraktion die Sportjugend Köln gerade für dieses gesellschaftliche Engagement des Mitternachtssports auszeichnet. Ich bin mir sicher, er würde zur Preisverleihung sagen: gut gemacht! Darum geht zu Recht der diesjährige Friedrich-Jacobs-Preis an die Sportjugend Köln für ihr Mitternachtssportangebot.

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